*
An diesem Abend fand sie in ihrem Zimmer, als sie spät in der Nacht aus dem Haus ihrer Schwester kam und sich schlafen legen wollte — es waren Gäste bei Mengersens gewesen — ein kleines Paket und einen Brief.
Henry Mengersen schrieb ihr:
„Verzeih, Isolde,“ — sie nannten sich ‚du‘ auf Mariens ausdrückliche Bitte — „mich beunruhigen deine weiten, einsamen Spaziergänge. Du gestattest mir leider keinen Einfluß auf dich, sonst würde ich dich ersuchen, diese Gänge einzustellen. Ich bitte dich, führe wenigstens dies kleine Ding mit dir, zu deiner Sicherheit. Verstehst du damit umzugehen? Es ist geladen! Sei vorsichtig!
Schwager Henry.“
Isolde löste das Paket und nahm aus dem Kästchen einen kleinen, zierlichen Revolver.
‚Sonderbar,‘ dachte sie.
Und aus diesem „Sonderbar“ spann sich eine lange, lange Kette von Gedanken und Gefühlen.
Eine schwere, drückende Kette.
Auf die Kniee war Isolde wie von einer Last niedergezogen; den Kopf an den Tischrand gestützt, so blieb sie lange unbeweglich, den kleinen glatten Revolver zwischen den Fingern. Die Thür ihres ebenerdigen Gartenzimmers stand noch weit offen.