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Kurz ehe das jüngste Kind bei Mengersens geboren worden war, hatte es eine wunderliche Szene zwischen Mann und Frau gegeben.

Marie, in der Empfindlichkeit ihres Zustandes, war bei einem abweisenden Blick Mengersens nicht demütig, traurig verstummt, sondern in lautes unaufhaltsames Weinen ausgebrochen, war ihrem Gatten zu Füßen gefallen, hatte verzweifelt seine Hände gefaßt und diese Hände heftig geküßt und dabei geschluchzt: „Verstoß mich nicht, — ich bin doch auch ein Mensch!“ Und das hatte sie wie sinnlos immer von neuem wiederholt.

Henry Mengersen war diese Szene unbeschreiblich peinlich gewesen.

Was wollten sie denn?

Dieses ewigen ungeschickten Einmischens von ihr in seine eigensten Angelegenheiten war er unendlich überdrüssig geworden.

Sie hatte etwas von einer Fliege an sich, die Geduld und Beharrlichkeit einer Fliege.

Henry Mengersen wußte gar nicht, was er ihr antworten sollte. Er wollte sie nicht erregen, aber er wollte auch nicht schweigen:

„Marie,“ sprach er, „was willst du eigentlich? Hast du etwas zu klagen, — so sag’s. — Aber dies ewige Nörgeln!“

Er ging heftig im Zimmer auf und nieder und sagte mit unterdrückter Erregung: „Wenn ich offen sein soll, mir ist in einer Künstlerehe, und in einer Ehe überhaupt, der weibliche Abklatsch vom Mann in der Seele zuwider — einfach unerträglich! Bin ich nicht so weit Herr im Hause, daß ich mir gestatten darf, einer Idiosynkrasie, die ich nun einmal habe, auszuweichen? Weshalb ist es denn durchaus nötig, daß du dasselbe, was ich sage, noch einmal verdünnt nachsprichst? Darauf kommt es ja doch hinaus. Sag mal, findest du das so durchaus notwendig, daß du deshalb wieder und wieder kommst und mich peinigst? Ihr habt nun einmal, wie soll ich sagen, — die tierischen Funktionen im Leben zu erfüllen. — Nun, so erfüllt sie.