Marie stand ihr so viel näher als Isolde. Marie war das Weib, das die Wege ging, die sie selbst gegangen war.
Sie konnte Maries Leben mitleben. Marie brauchte garnichts zu sagen. „Das ist nu ma’ so, ja, siehst du — das ist nu ma’ so.“ Das konnte sie immer von Mama hören, wenn sie nur den Mund aufthat, um Mama etwas zu klagen oder zu erzählen.
Mama wußte alles immer schon im voraus.
Sie sah gewissermaßen behaglich zu, wie Marie das Martyrium des jungen Weibes trug, die Extasen des jungen Weibes.
Die Extasen hatten bei Mama nie eine große Rolle gespielt.
Schwere Entbindungen, lange, qualvolle Schwächezustände, kranke Kinder, Geldsorgen, große Müdigkeit — weiter war ihr nicht viel in der Erinnerung hängen geblieben.
Viel geduldiger als Marie war sie gewesen, dessen entsann sie sich — und das sagte sie auch Marien oftmals — und das kam davon, daß Marie doch nicht so selbstlos war, wie eine Frau sein müßte. Marie war eben auch Papas Tochter. Beide Töchter hatten leider etwas so Aufrührerisches, wenn gleich Marie nicht annähernd wie ihre jüngere Schwester. Aber heute noch konnte Marie ganz verzweifelt Mama um den Hals fallen, solcher Dinge halber, deretwegen eine Frau gar kein Wort verlieren darf, die sich von selbst verstehn. Die Frau hat sich eben nach dem Mann zu richten, und wie der ist, so ist er, und was der thut, das thut er.
Dafür ist er das Haupt der Familie.
Ja und das sagte denn Mama ihr tüchtig.
Das aber war gleichgiltig, Marie nahm nichts an und wenn Mama noch so recht hatte.