Seine volle, lebendige Hand lag noch immer auf Isoldens Schulter.

„Sag mal, Kind,“ begann er wieder, „was ging das dich eigentlich an? Wie kommst du darauf? Weißt du, Déesse, das ist im vollen Sinn eine Taktlosigkeit! Mir vollkommen unverständlich, wie du darauf gekommen bist. Spionierst du vielleicht? Kontrolierst du vielleicht auch ……“ Doktor Frey sprach nicht aus.

„Weißt du, mein Kind, Karl ist ein junger Mann — kein Pensionsmädel, braucht keine Governeß.

Hat der arme Junge Unglück gehabt — laß deine Finger davon. Laß ihn! Karl ist wild über dein Betragen. Meinst du denn, daß es ihm angenehm war von deiner Anwesenheit — dort — zu hören? Junge Leute untereinander! Teufel auch! Davon verstehst du nichts. — Was für ein Gesicht soll er denn machen, wenn das von dir erzählt wird?“

„Ja, — weißt du, Isolde, das ist denn doch zu toll!“ das war Karl, der das sagte. Er stand in der Thür, voll, breit, schwerfällig, empört. Die Weste stand ihm offen. Sein Gesicht war stark gerötet. „Fahr du nur so fort mit deinen Überspanntheiten, du verrücktes Huhn, das wird noch gut werden, du kannst so bleiben! Heirat endlich, damit man Ruh hat!“ Er trat in das Zimmer zurück, aus dem er gekommen war und warf die Thür mit voller Gewalt ins Schloß.

„Ein ander Mal laß ihn ungeschoren,“ sagte Doktor Frey. „Kein Mensch hätte von der Affaire gehört. Nicht eine Stunde wär der Frieden gestört, — und nun! Du weißt, daß ich Ärger im Haus nicht ertragen kann.“

Mama machte die Thür vorsichtig auf. „Ach Gott — was ist denn?“

Isolde steht bleich, in sich zusammengefaßt, wie eine Weltdame, die in einer leichten Unterhaltung gestört wird.

„Garnichts, liebe Mama. Nicht der Rede wert — etwas ganz Alltägliches.“

11.