Dem Schädel, ihrem einstigen Symbol, hatte sie nicht ohne Sinn eine goldne Narrenkappe aufgesetzt und nicht umsonst den Lorbeerkranz.
Henry Mengersens Kunst war und blieb ihr das Anbetungswürdige, das Große, das sie liebte. Die Liebe zu diesem Inbegriff von Kunst hatte sie zur Künstlerin gemacht. Eine Anerkennung von ihm war ihr heute noch von höchstem Wert und er konnte sie ihr auch nicht versagen. Sie hatte es erreicht: Er anerkannte ihr Talent und ihren Fleiß und das Ziel, das sie wollte.
Wie hatte sie diese Jahre gearbeitet! Als sollte sie sich mit der Arbeit rein waschen von aller Schmach, die ihrer Seele anhaftete.
Nur das konnte heilen und reinigen. Und hätte er ihr zu Füßen gelegen und um Verzeihung gefleht — nichts — nichts hätte das geholfen.
Aber, daß er sie anerkennen müßte!
*
Asketisch hatte sie diese Jahre gelebt, als gäbe es für sie keine Jugend, keine Schönheit und keinen Reichtum.
Daheim, in dem luxuriös ausgestatteten Haus ihrer Eltern, in der Leopoldstraße, bewohnte sie ein kleines, unscheinbares Zimmer, schlief auf einem harten Feldbett, Winter und Sommer bei offenem Fenster, badete täglich kalt, litt nichts Weichliches — nichts Zärtliches in ihrer Umgebung; bei Wetter und Wind machte sie weite Gänge.
In ihr war das Gefühl lebendig: die Schmach abwaschen! die Schmach, die er ihr angethan, rein werden, stark werden, arbeiten, erreichen, Mensch werden.
Daß sie so schön war, freute sie.