Den ganzen Vormittag machte Isolde sich mit den Rosen zu thun. Gläser und Vasen füllte sie damit und stellte sie so und so, und schaute sie an und nahm diese und steckte sie zu jener und sagte: „Wenn sie doch nicht welken würden. Weißt du, Marie, wenn die immer blieben, Winter und Sommer, dann säh’ unser Zimmer wie ein Garten aus.“

Die Rosen hatten alle Qual von ihr genommen.

*

Dieser Morgen, der Isolden die Rosen gab, brachte der Familie Frey einen höchst merkwürdigen Tag. Kein Familienglied vergaß ihn je.

Um halb zwei Uhr saßen Doktor Frey, Karl, Marie und Isolde bei Tisch.

Das Mädchen brachte die Zweiuhrpost: Die Probenummer einer neuen Zeitschrift, einen Geschäftsbrief, eine Rechnung, die Ankündigung eines neuen Tabakladens in der Nachbarschaft und einen Brief von Frau Doktor Frey.

Dieser Brief war es, den der Doktor vor allem zuerst ergriff.

Marie hatte in diesen Tagen im stillen die Bemerkung gemacht, daß kein Bräutigam auf die Briefe seiner Braut so erpicht sein konnte, wie der Vater auf Mamas Briefe.

Zu jeder Tageszeit, wenn er heim kam, das erste: „Ist Nachricht von Mama da?“ —

‚Das, wenn die Mutter wüßt’,‘ dachte Marie manchmal.