Er sah auf Isolde. Isolde hörte mit großen Augen zu. Sie war bleich. In der Abenddämmerung hatte die weiße, zarte Gestalt, etwas so Unbestimmtes, Weiches.
Henry Mengersen empfand etwas Scheues, Schuldbewußtes in ihr.
Und wie er so auf sie blickte, zieht ein leichtes Lächeln um seine Lippen, ein verächtliches Lächeln.
Ihm ist’s, als fühlte und sähe er die Gedanken unter der jungen Stirn; ihm ist’s, als fühlte er die erregten, verlangenden Blutwellen in ihren Gliedern.
Sie muß wie im Fieber sein! Ihre Nerven müssen zittern und beben — ein Schauer nach dem andern muß sie durchfahren.
Er hat als Künstler und Mensch über das Problem „Weib“ nachgesonnen, als Künstler hat er es auf seine Weise gelöst.
Er ist müde und gelangweilt vom Weib.
‚Entsetzlich,‘ denkt Henry Mengersen und sieht wieder auf Isolde, ‚das Weibliche in der Natur! Dies blinde Sich-ins-Elend-stürzen-wollen, dies Gedankenlose, Nie-die-Folgen-überschauende. Egoistisch wie der Mann, aber so unsäglich dumpf, unbewußt, so instinktiv, so elementar.
Wie unangenehm großgezogen ist es in ihnen dies langweilige, aufdringliche Sich-opfern-wollen, die Bestimmung erfüllen wollen.
Wie sie sich hindrängen, wie eine dumpfe Herde — ekelhaft!