Mit Helwig Geber war für sie ein Verständnis möglich, trotzdem er im Gespräch weder auf Kunst noch Politik besonders einging. Er lebte in einer Welt, die andre kaum streiften. Philosoph so durch und durch, so ganz und gar, daß es ihm schwer fiel, von etwas anderem zu reden.

Fand sich ein Mensch, von dem auch nur ein Funken Verständnis zu erhoffen war, so gab er sich dem offenherzig hin, war unermüdlich darin, zu überzeugen und grundehrlich wie ein Kind.

„Sehen Sie, wie wunderbar das ist,“ sagte er dann und wollte, der andre sollte auch empfinden, was er empfand.

Er arbeitete an einem Werk, für das gewissermaßen dies kleine Haus, in dem die beiden lebten, der Tempel war.

Das Werk ihres Mannes, war Frau Lus Lebenshoffnung, auch ihre Lebensfreude, wie es die seine wohl sein mochte.

An Erfolg dachten sie beide nicht; aber es sollte sich etwas gestalten, etwas Neues, Einfaches, Großes, und mochten noch Jahre hingehen, mit forschen, vergleichen, prüfen.

Das Werk wuchs. Kamen wieder und immer wieder lange Krankheitszeiten, so mußten sie ertragen werden, bis er endlich wieder mit Hoffnung an die Arbeit gehen konnte.

Frau Lu wäre es lieber gewesen, er hätte nie mit einem Menschen über das gesprochen, was ihn unablässig beschäftigte; trotzdem er Anhänger gefunden hatte, prächtige Menschen, fand sich auch viel sonderbares Volk, dessen Neugierde durch die Eigenartigkeit des sich geistig hingebenden, schönen Mannes, erregt wurde, die, Verständnis heuchelnd, eine Weile sich zu ihm hielten um dann, als sie alles gründlich mißverstanden und mißdeutet hatten, abzufallen mit Geschrei und Klatsch.

Das Paar hatte schon manches derartiges erlebt.

Frau Lu war es müde, diese Leute bei sich zu empfangen, von denen sie nichts hoffte und hinter denen sie auch nichts suchte.