Mit aller Zurückhaltung und Schonung, die man einem Freunde schuldig ist, teile ich ihm meine Meinung mit. Ich erkläre ihm, dass der Kollektivgott Karma mir missfällt, dass ich aus diesem Grunde nicht einer Sekte beitreten könne, die den persönlichen Gott, der allein meine religiösen Bedürfnisse befriedigt, leugnet. Ein Glaubensbekenntnis verlangt man von mir, und obgleich ich überzeugt bin, dass mein Wort einen Bruch veranlassen und damit die Unterstützung aufheben wird, spreche ich aus, was ich denke.
Da verwandelt sich der aufrichtige, hochherzige Freund in einen Rachegeist, schleudert den Bannstahl gegen mich, droht mir mit okkulten Mächten, schüchtert mich durch Andeutung einer Strafe ein, weissagt wie ein heidnischer Opferpriester. Er schliesst damit, dass er mich vor ein okkultistisches Gericht ladet und mir schwört, dass ich den 13. November nicht vergessen werde.
Meine Lage ist schlimm: ich habe einen Freund verloren, und ich bin in Not gebracht. Durch einen teuflischen Zufall ereignet sich während unseres brieflichen Krieges noch dies:
Die Zeitung "Initiation" veröffentlicht einen Aufsatz von mir, in dem ich das heutige astronomische System kritisiere. Einige Tage darauf stirbt Tisserand, der Direktor der Pariser Sternwarte. In einer Anwandlung von Ausgelassenheit stelle ich diese beiden Tatsachen zusammen und erinnere daran, dass Pasteur am Tage nach dem Erscheinen von "Sylva Sylvarum" starb. Mein Freund, der Theosoph, versteht keinen Scherz; leichtgläubig wie kein anderer, vielleicht auch mehr als ich in die Schwarzkunst eingeweiht, hat er mich im Verdacht, dass ich die Künste des Verhexens übe.
Man stelle sich meinen Schreck vor, als nach dem letzten Schreiben unseres Briefwechsels der berühmteste Astronom Schwedens am Schlaganfall stirbt. Ich werde ängstlich, und mit gutem Recht. Der Ausübung von Zauberkünsten verdächtig zu sein, ist eine schlimme Sache, und "wenn der Zauberer selbst dabei stirbt, so ist es nicht schade um ihn."
Um das Unglück voll zu machen, verscheiden im Lauf des Monats nacheinander fünf mehr oder weniger bekannte Astronomen.
Ich fürchte einen Fanatiker, dem ich die Grausamkeit eines Druiden und der hindostanischen Zauberer angebliche Macht, aus der Ferne zu töten, zuschreibe.
Eine neue Hölle von Ängsten! Und von diesem Tag vergesse ich die Dämonen und richte alle meine Gedanken auf die unheilvollen Anschläge der Theosophen und ihrer mit unerhörten Kräften begabten Magier, die für Hindus ausgegeben werden.
Ich fühle mich zum Tode verurteilt; für den Fall eines plötzlichen Todes schreibe ich die Namen meiner Mörder auf und versiegle das Papier. Dann warte ich ab.
Zehn Kilometer weiter östlich, an der Donau, liegt das Städtchen Grein, der Hauptort des Kreises. Dort soll sich, wie man mir erzählt, jetzt gegen Ende November, mitten im Winter, ein Fremder aus Zanzibar als Tourist aufhalten. Das genügt um alle Zweifel und schwarzen Gedanken eines Kranken zu wecken. Ich lasse Erkundigungen über diesen Fremden einziehen, um zu erfahren, ob er wirklich Afrikaner ist, was er für Pläne hat, woher er kommt.