1. September 1896.—Ich bewohne das Zimmer, in dem meine Frau diese beiden Jahre der Trennung zugebracht hat. Hier hat sie gelitten, während ich meine Qualen in Paris durchmachte. Arme, arme Frau! Ist es die Strafe für das Verbrechen, das wir begingen, als wir mit der Liebe spielten?
Am Abend fällt beim Essen dies vor. Um meinem Töchterchen, das sich nicht ganz allein bedienen kann, zu helfen, nehme ich ihre Hand, ganz sanft und in der freundlichsten Absicht. Sie stösst einen Schrei aus, zieht ihre Hand zurück und wirft mir einen Blick voll Schrecken zu. Als die Grossmutter fragt, was sie hat, antwortet sie:
—Er tut mir weh!
Ich bin bestürzt und kann kein Wort hervorbringen. Wie oft habe ich mit Willen weg getan: sollte ich jetzt weh tun, ohne es zu wollen?
In der Nacht träume ich von einem Adler, der mir die Hand zerreisst, zur Züchtigung für ein unbekanntes Vergehen.
Am Morgen besucht mich mein Töchterchen; sie ist zärtlich, liebevoll, freundlich. Sie nimmt den Kaffee mit mir und macht es sich an meinem Schreibtisch bequem, wo ich ihr Bilderbücher zeige.
Wir sind schon gute Freunde, und meine Schwiegermutter ist entzückt, dass ihr jemand die Kleine erziehen hilft.
Am Abend muss ich dem Schlafengehen meines Engels beiwohnen und ihm seine Gebete sprechen hören. Sie ist katholisch, und wenn sie mich auffordert, zu beten und das Zeichen des Kreuzes zu machen, kann ich nicht antworten, denn ich bin Protestant.
2. September.—Allgemeine Aufregung. Die Mutter meiner Schwiegermutter, die einige Kilometer weit am Ufer des Flusses wohnt, will einen Ausweisungsbefehl gegen mich erlassen. Sie verlangt, dass ich sofort abreise, und droht ihre Tochter zu enterben, falls ich nicht gehorche. Die Schwester meiner Schwiegermutter, eine gute Frau, die auch getrennt von ihrem Manne lebt, ladet mich ein, bei ihr im benachbarten Dorf zu wohnen, bis der Sturm sich gelegt habe. Zu diesem Zweck kommt sie, um mich abzuholen.
Wir steigen auf einen zwei Kilometer langen Hügel; als wir auf dem Gipfel angekommen sind, entdecken wir unten einen runden Talkessel, aus dem sich unzählige mit Fichten bestandene Hügel wie Krater eines Vulkans erheben. In der Mitte dieses Trichters liegt das Dorf mit seiner Kirche, und auf der Höhe des steilen Berges das Schloss mit dem Stiel einer mittelalterlichen Burg; eingeschlossen sind hier und dort Felder und Wiesen, und ein Bach bewässert sie, der sich unterhalb der Burg in eine Schlucht stürzt.