Lebt wohl, Geier, Himmelsbewohner, nun in einem schmutzigen Käfig eingeschlossen; leb wohl, Bison, Behemoth, gefesselter Dämon; leb wohl, Robbenpärchen, das die eheliche Liebe über den Verlust des Ozeans und der grossen Horizonte tröstet. Lebt wohl, Steine, Pflanzen, Blumen, Bäume, Schmetterlinge, Vögel, Schlangen, ihr alle geschaffen von der Hand eines guten Gottes! Und ihr, grosse Männer, Bernardin de Saint-Pierre, Linne, Geoffroy, Saint-Hilaire, Haüy, deren Namen in goldenen Buchstaben am Giebel des Tempels stehen—lebt wohl! oder vielmehr: auf Wiedersehen!
Ich verlasse das irdische Paradies in dem ich an Seraphites erhabene Worte denke: "Leb wohl, arme Erde! Leb wohl!"
Als ich den Garten des Hotels wieder betrete, wittere ich die Gegenwart eines Menschen, der, während ich fort war, gekommen ist. Ich sehe ihn nicht, aber ich fühle ihn.
Was meine Unruhe noch vermehrt, ist die augenscheinliche Veränderung, die mit dem benachbarten Zimmer vorgegangen ist. Zunächst ist eine Decke über einen Strick gehängt, augenscheinlich um etwas zu verbergen. Auf dem Mantels des Kamins sind in Stapeln Metallplatten aufgehäuft, die durch Querhölzer voneinander getrennt sind. Auf jedem Stapel liegt ein Photographiealbum oder irgendein Buch, offenbar, um diesen Höllenmaschinen, die ich für Akkumulatoren halten möchte, ein unschuldiges Aussehen zu geben.
Dazu kommt, dass ich auf einem Dach der Rue Censier, gerade dem Pavillon, in dem ich wohne gegenüber, zwei Arbeiter bemerke. Was sie dort oben machen, kann ich nicht unterscheiden, aber sie zielen nach meiner Glastür, während sie mit Gegenständen hantieren, die ich nicht erkennen kann.
Warum entschliesse ich mich nicht zum Fliehen? Weil ich zu stolz bin und das Unvermeidbare ertragen muss.
Ich bereite mich also auf die Nacht vor. Ich nehme ein Bad und achte sorgfältig darauf, dass meine Füsse weiss werden, denn meine Mutter hatte mir als Kind eingeprägt, dass schwarze Füsse ein Zeichen der Schande sind. Ich rasiere mich und parfümiere mein Hochzeitshemd, das ich vor drei Jahren in Wein kaufte.... Die Toilette des zum Tode Verurteilten.
Ich lese in der Bibel die Psalmen, in denen David die Rache des Ewigen auf seine Feinde herabruft.
Aber die Busspsalmen? Nein, ich habe nicht das Recht, zu bereuen, denn nicht ich habe mein Schicksal gelenkt; ich habe niemals das Böse um des Bösen willen getan, ich habe es nur getan, um meine Person zu verteidigen. Bereuen, das heisst, die Vorsehung kritisieren, die uns die Sünde als ein Leiden auferlegt, um uns durch den Ekel, den die schlechte Handlung einflösst, zu läutern.
Meine Rechnung mit dem Leben schliesst so ab: die Posten heben sich auf! Wenn ich gesündigt habe, auf mein Wort, ich habe genug Strafe dafür gelitten; ganz sicher! Die Hölle fürchten? Ich habe, ohne zu straucheln, hier auf Erden tausend Höllen durchwandert, und das hat den brennenden Wunsch in mir entfacht, die Eitelkeiten und falschen Freuden dieser Welt, die ich immer verabscheut habe, zu verlassen. Mit Heimweh nach dem Himmel geboren, weinte ich schon als Kind über den Schmutz des Daseins, fühlte mich fremd und heimatlos unter meinen Verwandten und in der Gesellschaft.