—Geh fort!

Ich erhebe mich und zahle; als ich hinausgehe, grüsst mich der Bursche mit versteckten Beschimpfungen, die mein Herz in Wallung bringen, ohne meinen Zorn zu erregen.

Ich empfinde Mitleid mit mir selber und schäme mich für die andern.

Ich verzeihe den Schuldigen, indem ich sie als Dämonen betrachte, die nur ihre Pflicht erfüllen.

Doch ist die Ungnade der Vorsehung gar zu deutlich, und, sobald ich ins Hotel zurückgekehrt bin, beginne ich mein Kredit und Debet aufzustellen. Bisher, und das war meine Stärke, habe ich mich nicht beugen können, den andern recht zu geben, jetzt aber, durch die Hand des Unsichtbaren zu Boden geschlagen, versuche ich, mir unrecht zu geben, und wie ich mein Betragen während der letzten Wochen gründlich untersuche, ergreift mich Furcht. Mein Gewissen sagt mir die Wahrheit, rückhaltlos und unerbittlich.

Ich habe aus Hochmut, Hybris, gesündigt, dem einzigen Laster, das die Götter nicht verzeihen. Durch die Freundschaft des Doktor Papus, der meine Forschungen gelobt hatte, ermutigt, bildete ich mir ein, das Rätsel der Sphinx gelöst zu haben. Ein Nacheiferer des Orpheus, hielt ich es für meine Aufgabe, die Natur, die unter den Händen der Gelehrten gestorben war, wieder zu beleben.

In dem Bewusstsein, dass die Mächte mich beschützen, schmeichelte ich mir, durch meine Feinde nicht besiegt werden zu können; das ging so weit, dass ich die einfachsten Begriffe der Bescheidenheit verachtete.

Hier ist der rechte Augenblick, die Geschichte meines geheimnisvollen Freundes einzuschalten, der eine entscheidende Rolle in meinem Leben spielte: als Führer, Ratgeber, Tröster, Strafer und ausserdem als Helfer, der mich in zuweilen eintretenden Zeiten der Not mit neuen Mitteln versorgte. Schon 1890 schrieb er mir einen Brief auf ein Buch das ich damals erscheinen liess. Er hatte zwischen meinen Gedanken und denen der Theosophen Berührungspunkte gefunden und wollte meine Ansichten über den Okkultismus und über die Priesterin der Isis, Frau Blawatsky, wissen. Der anmassende Ton seiner Epistel missfiel mir, und ich verhehlte ihm das in meiner Antwort nicht. Vier Jahre später veröffentliche ich den "Antibarbarus" und empfange im kritischesten Augenblick meines Lebens von diesem Unbekannten einen zweiten Brief, in dem er mir in gehobenem, fast prophetischen Ton, eine schmerzensreiche und glorreiche Zukunft vorhersagt. In gleicher Weise legt er dar, aus welchen Gründen er den Briefwechsel wieder aufgenommen habe; ihm habe dazu eine Ahnung bestimmt, dass ich augenblicklich eine seelische Krise durchmache und vielleicht ein Wort des Trostes nötig habe. Schliesslich bietet er mir seine Unterstützung an, die ich jedoch ablehne, da ich auf meine elende Unabhängigkeit eifersüchtig bin.

Im Herbst 1895 bin ich es, der den Briefwechsel wieder eröffnet, indem ich ihn bitte, mir bei der Herausgabe meiner naturwissenschaftlichen Schriften behilflich zu sein. Von diesem Tage an unterhalten wir durch die Post sehr freundschaftliche, selbst vertrauliche Beziehungen, wenn ich einen kurzen Bruch ausnehme, den er durch seine verletzende Sprache verursacht, als er mich über alltägliche Dinge unterrichten will und mir in hochmütigen Ausdrücken meinen Mangel an Bescheidenheit vorwirft.

Nachdem wir uns jedoch wieder versöhnt hatten, teilte ich ihm alle meine Beobachtungen mit, lieferte ihm meine Geheimnisse aus; was vielleicht nicht ganz klug war. Ich beichtete diesem Mann, den ich nie gesehen hatte, und ich ertrug von seiner Seite die strengsten Ermahnungen, weil ich ihn eher als eine Idee, denn als eine Person betrachtete: er war für mich ein Bote der Vorsehung, ein Paraklet.