—Haben Sie eine solche Sammlung Banditen gesehen? Das sind ja alles Verbrechertypen. Und als ich mich umsah, wurde ich bestürzt, denn es war nicht das gewöhnliche Publikum des Ortes, sondern eine Schar zusammengerafften Gesindels, von denen die meisten verkleidet aussahen und Grimassen schnitten. Aus Mangel an Platz hatte mein Kamerad als Lehne eine Eisensäule bekommen, die wie aus seinem Rücken aufstieg und in der Höhe seines Halses einen Wulst wie ein Halsband bildete.
—Und Sie sitzen am Schandpfahl! rief ich aus.
Alle schienen uns jetzt zu betrachten; wir wurden unlustig, beklommen und standen auf, ohne auszutrinken.
Das war das letzte Mal, dass ich mit dem Kameraden Absinth trank. Doch ich machte einen späteren Versuch allein, aber ich erneuerte ihn nicht. Meinen Genossen zum Diner erwartend, setzte ich mich auf das Trottoir am Boulevard Saint-Germain Cluny gegenüber und bestellte einen Absinth. Sofort langten drei Figuren an, ich weiss nicht von wo, und stellten sich vor mich. Zwei Kerle mit zerrissenen Kleidern und mit Schmutz bespritzt, als ob sie aus den Kloaken gezogen wären, und neben ihnen ein Weib, barhäuptig mit struppigem Haar, mit Spuren von Schönheit, berauscht, schmutzig; und alle betrachteten mich mit höhnischen Blicken, frech, cynisch, als ob sie mich kennten und erwarteten, an meinen Tisch geladen zu werden. Ich habe nie solche Typen in Paris oder Berlin gesehen, vielleicht nur an der Mündung von London Bridge, wo das Publikum wirklich ein okkultes Aussehen hat. Ich denke meine Zuschauer zu ermüden und zünde Zigaretten an, aber es gelingt nicht. Da trifft mich der Gedanke: das sind nicht "richtige" Menschen, das sind Halbvisionen; ich erinnere mich an meine früheren Abenteuer von der Brasserie des Lilas und stehe auf—seitdem habe ich nicht mehr gewagt Absinth anzurühren.
Eins scheint mir sicher zu sein unter all meinem Schwanken, und das ist, dass ein Unsichtbarer Hand an meine Erziehung gelegt hat, denn es ist nicht die Logik der Begebenheiten, die hier spielt. Es ist nämlich nicht logisch, dass Schornsteinbrand ausbricht, oder sonst nicht vorhandene Gestalten vortreten, wen ich Absinth trinke; gewöhnliche Schicksalslogik wäre ja, dass ich krank würde. Logisch ist auch nicht, dass ich in der Nacht aus dem Bett genommen werden, wenn ich am Tage von einem Menschen etwas Böses gesagt habe. Aber es verrät sich in allen diesen Handlungen eine bewusste, denkende, allwissende Absicht mit gutem Endzweck, der zu gehorchen mir gleichwohl so schwer wird, hauptsächlich weil ich so schlechte Erfahrungen über Güte und Uneigennützigkeit von Absichten gemacht habe. Es hat sich indessen ein ganzes Signalsystem ausgebildet, das ich zu verstehen anfange, und dessen Richtigkeit ich geprüft habe.
So habe ich mich sechs Wochen lang nicht mit Chemie beschäftigt, und das Zimmer war nicht durch Hausrauch belästigt. Eines Morgens nahm ich zur Probe meine Goldapparate hervor und richtete die Bäder an. Sofort füllte sich das Zimmer mit Rauch; er stieg vom Boden auf, hinter dem Kaminspiegel, überall. Als ich den Wirt rief, erklärte er das unbegreiflich, weil es Steinkohlenrauch sei und man Steinkohlen im ganzen Hause nicht benutze. Also soll ich mich nicht mit Goldmacherei beschäftigen!
Die Holzharmonika, die ich oben erwähnt habe, bedeutet Frieden, das habe ich gemerkt, denn wenn sie fort ist, entsteht Unruhe.
Eine wimmernde Kinderstimme, die man oft im Schornsteinrohr hört, und die nicht natürlich erklärt werden kann, bedeutet: Du sollst fleissig sein; und daneben: Du sollst dieses Buch schreiben und dich nicht mit anderen Dingen beschäftigen.
Wenn ich in Gedanken, Worten oder Schrift aufrührerisch bin oder mich ungebührlichen Stoffen nähere, höre ich einen groben Basston wie aus einer Orgel oder aus dem Rüssel eines Elefanten, wenn er trompetet und böse ist.
Zwei Beweise, dass dieses nicht subjektive Wahrnehmungen bei mir sind, will ich anführen.