Noch ein Mal—ob es das letzte ist?—steige ich auf dem Nordbahnhof aus. Ich frage jetzt nicht: was habe ich hier zu tun, da ich mich zu Hause fühle in der Hauptstadt Europas. In mir ist allmählich der Entschluss gereift, nicht ganz klar, das gestehe ich ein, im Benediktinerkloster zu Solesmes eine Zuflucht zu suchen.
Aber erst gehe ich und besuche die alten Stellen mit ihren schmerzlichen und doch so lieben Erinnerungen. So sehe ich wieder den Luxemburg-Garten, Hotel Orfila, den Kirchhof von Montparnasse, den Jardin des Plantes. In der Rue Censier bleibe ich einen Augenblick stehen, um einen verstohlenen Blick in das Gärtchen meines Hotels an der Rue de la Clef zu werfen. Gross ist meine Gemütsbewegung, als ich den Pavillon mit meinem Zimmer sehe, wo ich dem Tode entging in jener schrecklichen Nacht, als ich mit dem Unsichtbaren rang, ohne es zu wissen. Man kann sich meine Gefühle denken, als ich meine Schritte nach dem Jardin des Plantes lenke und die Spuren der Wasserhose sehe, die gerade meine Allee verheert hat, die vor den Bären und Bisonochsen.
Auf dem Rückweg die Strasse Saint-Jacques hinuntergehend, entdeckte ich die Buchhandlung der Spiritisten und kaufe das "Buch der Geister" von Allan Kardec, das mir bisher unbekannt war.
Ich nehme und lese. Das ist ja Swedenborg und vor allem die Blavatzky, und als ich überall meinen eigenen "Casus" wiederfinde, kann ich mir nicht verhehlen, dass ich Spiritist bin. Ich Spiritist! Hätte ich gewusst, dass ich als Spiritist enden würde, als ich mich über meinen früheren Chef an der Königl. Bibliothek in Stockholm lustig machte, weil er Anhänger des Spiritismus war! Man weiss nie, in welchen Hafen man schliesslich einläuft!
Während ich meine Studien in Allan Kardec fortsetze, bemerke ich ein stufenweise geschehendes Wiederauftreten der beunruhigenden Symptome von früher. Das Gepolter über meinem Kopfe beginnt, ich werde von Beklemmung angefochten, eine Furcht vor allem zeigt sich. Aber ich lasse mir nicht beikommen und fahre fort, die spiritistischen Zeitschriften zu lesen, während ich genau meine Gedanken und Handlungen überwache.
Da werde ich nach ganz unzweideutigen Warnungen eines Nachts genau um zwei Uhr von einer Herzaffektion geweckt.
Ich habe den Wink verstanden: Es ist verboten, in den Geheimnissen der Mächte zu forschen. Ich schleudere die unerlaubten Bücher weg, und sogleich kommt der Friede zurück; ein hinreichender Beweis für mich, das der höhere Wille befolgt worden ist.
Am folgenden Sonntag gehe ich in Notre-Dame und wohne der Vesper bei. Von der Ceremonie ergriffen, obwohl ich kein Wort davon verstehe, zerfliesse ich in Tränen und gehe mit der Überzeugung fort, dass sich hier in der Mutterkirche der erlösende Hafen befindet.
Doch nein, es war nicht so! Denn am Tage danach lese ich in La Presse, dass der Abt des Solesmes-Klosters soeben wegen Sittlichkeitsvergehens abgesetzt ist.
Bin ich denn immer ein Spielball, ein Gelächter für die Unsichtbaren! rief ich aus, von einem so gut gerichteten Stoss getroffen. Danach schweige ich und unterdrücke die ungebührliche Kritik, fest entschlossen, abzuwarten!