Er ist nun dreissig Jahre alt. Während seines jahrelangen Aufenthaltes im Ausland hat er alle Leiden eines Einsiedlers durchgemacht: Armut, Hunger und Kälte, schäbige Kleider; die Verdriesslichkeiten, die ein schuldenbeladener Mann auszustehen hat. Er hat nachts in Wäldern und offenen Parks geschlafen, aus Mangel an fester Wohnstätte; er hat sich mit Stärke und Gelatine ernährt, die dazu bestimmt waren, in dem Labor gebraucht zu werden, an dem er angestellt war.

Der Hunger aber hat mangelnde Widerstandskraft gegen Alkohol zur Folge, und obwohl nicht Alkoholiker, erlag er den Wirkungen der geringen Menge starker Getränke, die er in der Lage war sich zu verschaffen.

Von seinen Verwandten Wind und Wellen überlassen, kann er sich in einer Heilanstalt für Nervenkrankheiten in Pension geben, dank einem Manne, der ihm so gut wie unbekannt ist und welcher der Swedenborgischen Sekte angehört. (!)

Nach einigen Monaten wurde er als geheilt entlassen und kehrte nach der Universität in Schweden zurück, jedoch weiter zu Enthaltsamkeit verurteilt.

Er war es, der mir Swedenborgs "Arcana Coelestia" lieh, und später "Apocalypsis revelata", Arbeiten, die er selbst nicht kannte, die sich aber in der Büchersammlung seiner Mutter befanden; sie war nämlich Swedenborgianerin. (!)

Noch etwas ist überraschend für mich, der ich bis zu meinem achtundvierzigsten Jahr nie auf Arbeiten von Swedenborg gestossen bin, für die man in den gebildeten Klassen Schwedens offene Verachtung zeigt—dass er jetzt überall auftaucht: in Paris, an der Donau, in Schweden, und zwar im Laufe nur eines halben Jahres.

Mein desillusionierter Freund verhält sich indessen indifferent, trotz den Streichen, die ihm das Schicksal zu wiederholten Malen spielt. Er kann sich nicht beugen und glaubt, es sein eines Mannes unwürdig, vor unbekannten Mächten zu knien; die könnten sich eines Tages als Versucher enthüllen, deren Versuchungen nur Prüfungen sind, denen man bis zum äussersten widerstehen muss.

Ich verberge ihm nicht meine neuen religiösen Ansichten, jedoch ohne auf ihn einwirken zu wollen.

—Siehst du, die Religion ist etwas, das man auf sich selbst anwenden muss; die ist nichts zum Predigen!

Oft lauscht er meinen Worten mit scheinbarer Aufmerksamkeit, und oft lächelt er. Zwei Wochen lässt er sich nicht sehen, als sei er geärgert worden, dann aber kommt er wieder und sieht aus, als habe er über einen Gedanken gebrütet.