Ich gebe zu, dass sich eine gewisse Bescheidenheit in dieser Art verrät, der Mächte Eingreifen in unsere kleinlichen Angelegenheit auszuscheiden, aber dahinter verbirgt sich auch "der Unbussfertigen Verhinderung"; was aus folgender Stelle bei Claude de Saint-Martin hervorgeht:

"Vielleicht hat diese unrichtige Ideenverbindung (dass die Erde nur ein Punkt im Weltall ist) den Menschen zu der noch unrichtigeren Vorstellung geführt, dass er der Blicke seines Schöpfers nicht würdig sei; er hat geglaubt, nur den Mahnungen der Demut zu gehorchen, wenn er sich zuzugeben weigert, dass diese Erde und alles, was das Universum enthält, nur seinetwegen entstanden sei; er hat sich gestellt, als fürchte er zu sehr seinem Hochmut zu gehorchen, wenn er sich diesem Gedanken hingäbe. Aber er hat nicht die Trägheit und Feigheit gefürchtet, die von dieser erheuchelten Bescheidenheit unvermeidlich erzeugt werden; und wenn der Mensch sich heute nicht mehr für den König des Universums halten will, ist die Ursache die, dass er nicht den Mut hat zu arbeiten, um sich die rechtmässigen Ansprüche darauf zu erwerben; dass die Pflichten dabei ihm zu mühsam erscheinen, dass er nicht so sehr fürchtet, auf seine Stellung und alle ihre Rechte verzichten, als sich daran machen zu müssen, um sie in ihrer geltenden Kraft wiederherzustellen."

Zwischen den beiden blinden Klippen, Hochmut und falscher Demut, wer kann wohl das Kanoe finden, das zum Hafen führt?

Indessen habe ich alle Schwächen meines Freundes so vollständig kennen gelernt, dass ich seine nächtlichen oder täglichen Drangsale voraussagen kann, indem ich nur sein Betragen beobachte; was mich zu dem Schlusssatz geneigt macht, dass alle Krankheiten, die ihn treffen, von der Moral herrühren. Aber Moral ist ein Wort, das jetzt herabgesetzt und in den Bann getan ist, und ich bin nicht der rechte Mann, es auszusprechen.

Bei einer einzigen Gelegenheit, als der Unglückliche gar zu sehr bedrückt war, äusserte ich zu ihm, aus Mitleid und um einen Wegweiser aufzustellen:

—Wenn du vor deinem letzten nächtlichen Anfall Swedenborg gelesen hättest, würdest du in die Heilsarmee gegangen oder Krankenpfleger geworden sein!

—Wieso? Was sagt denn dieser Swedenborg?

—Er sagt so viel, und er ist es, der mich davor gerettet hat, verrückt zu werden. Er hat mir den Schlaf wieder geschenkt durch einen einzigen Satz in vier Worten!

—Sag den, ich bitte dich darum!

Der Mut entsank mir, und er hat mir jedes Mal gefehlt, wenn der Besessene mich gebeten hat, diese Losung mitzuteilen.