Ohne mich auszukleiden, strecke ich mich auf dem Bett aus, fest entschlossen, mich lieber töten als zum Aufstehen bringen zu lassen.
Totenstille herrscht im Hause und der liebliche Schlaf nähert sich. Da höre ich plötzlich, wie eine unsichtbare Tatze an der Papierbekleidung der Decke gerade über meinem Kopfe kratzt. Es kann keine Maus sein, da das lose gespannte Papier sich nicht bewegt; und übrigens ist es eine ziemlich grosse Tatze, wie von einem Hasen, einem Hund!
Bis zum Tagesgrauen erwarte ich, in Schweiss gebadet, die Klauen in meiner Haut zu fühlen, aber vergebens, denn selbst die Angst ist quälender als der Tod.
Warum ich nicht krank werde nach solchen Peinigungen?
Weil ich das Leiden bis auf die Hefe leeren muss, um das Gleichgewicht zwischen den begangenen Missetaten und der auferlegten Strafe wieder herzustellen. Und es ist wirklich merkwürdig, wie ich die Qualen auszuhalten vermag; ich verschlinge sie mit grimmiger Freude, um endlich ein Ende mit ihnen zu machen.
[2.]
Die Trostlosigkeit breitet sich aus.
Als Neujahr und die unzähligen Feiertage überstanden sind, finde ich mich eines Tages allein. Es ist, als ob ein Orkan dahergezogen wäre: alle sind zerstreut, fortgeblasen, schiffbrüchig. Mein Freund der Arzt ist als krank ins Lazarett aufgenommen. Tatsächlich hat er, von Trunksucht geschwächt, von Geldmangel bedrängt, von Schlaflosigkeit aufgerieben, schliesslich "Neurasthenie" bekommen. Das ist herzzerreissend; und statt ins Wirtshaus zu gehen, lenke ich nun meine Schritte ins Lazarett, um für eine Stunde Zwiegespräch und Gesellschaft zu suchen.
Im Café bin ich der einzige, der ein Glas trinkt, da drei von den Kameraden das Gelübde der Nüchternheit abgelegt haben. Der Dichter ist fortgereist. Der junge Ästhetiker, der Sohn des Professors der Ethik, ist ins Ausland geschickt, um von dem schlechten Umgang mit dem Verführer der Jugend (das bin ich!) loszukommen.