Woher dieser ungeheuere Hochmut eines Sterblichen? Stamme ich vom Beginn der Jahrhunderte her, als sich die aufständischen Engel in Empörung gegen einen Herrn vereinigten, der zufrieden war, über ein Volk von Sklaven zu herrschen? Ist darum meine Wallfahrt über die Erde zu einem Spiessrutenlaufen geworden, bei dem die Letzten der Letzten sich die Freude gemacht haben, mich zu schlagen, zu beleidigen, zu besudeln?
Keine denkbare Demütigung, die ich nicht zu ertragen gehabt hätte; und doch wächst mein Hochmut immer im selben Masse, wie sich meine Erniedrigung vertieft! Was ist das? Jakob, der mit dem Ewigen ringt und, zwar etwas gelähmt, aber mit Ehren aus dem Kampf hervorgeht? Hiob, der auf die Probe gestellt wird und darauf besteht, sich Strafen gegenüber, die ihm mit Unrecht auferlegt sind, zu rechtfertigen?
Von so viel unzusammenhängenden Gedanken bestürmt, zwingt mich die Müdigkeit, den Griff loszulassen; und mein aufgeblasenes Ich fällt zusammen, wird so klein, dass sich das, was sich eben zugetragen hat, auf ein Nichts reduziert: ein Donnerschlag Ende November!
Das Rollen des Donners hallt von neuem wider und, noch einmal von Ekstase ergriffen, öffne ich die Bibel, indem ich den Herrn bitte, lauter zu sprechen, damit ich ihn verstehe.
Meine Blicke fallen alsbald auf diesen Vers Hiobs:
"Willst du meinen Urteilsspruch aufheben? Willst du mich verdammen, um dich zu rechtfertigen? Hast du einen Arm wie der mächtige Gott? Donnerst du mit der Stimme wie er?"
Kein Zweifel mehr: der Ewige hat gesprochen!
—Ewiger, was willst du von mir? Sprich dein Diener hört. Keine Antwort?
—Gut, ich demütige mich vor dem Ewigen, der geruht hat, sich vor seinem Diener zu demütigen. Aber die Kniee vor Volk und Mächtigen beugen? Niemals!
Am Abend empfängt mich meine gute Mutter auf eine Weise, die ich noch nicht begreife. Sie betrachtet mich mit einem prüfenden Blick von der Seite, als wolle sie sehen, welchen Eindruck das majestätische Schauspiel auf mich gemacht habe.