VARIATION ÜBER EIN BELIEBTES THEMA

Verwöhnt sein, ist das schreckliche Unglück der schönen Frauen. Infolgedessen haben sie nichts von ihrem Leben, sondern nur noch Neid, Eifersucht, Eitelkeit. „Ich bin es so gewöhnt“, ist der tückischste Mord an der Seele. Denn siehe, sie wünscht stets und stets überrascht zu werden!

Was ihr gewohnt wird, macht sie leblos, tot. Sie hört allmählich auf zu funktionieren, wird starr, hart, sogar bösartig. Ein gütiger Blick zu ungewohnter Gelegenheit! Und die Seele errötet dir vor Freude. Das was sie stets bekommt und stets, läßt sie bleich. Und dennoch wäre es tiefste Kultur, das Gute, das man hat, stets zu empfinden als eine Gnade Gottes! Dazu sollte man ein Kind erziehen, daß es in jeder Schachtel seine besonderen Schätze hat und daß ein Pfirsich ist wie Feiertag! Schöne Frauen haben nichts von ihrem Leben. Sie sind zu sehr daran gewöhnt, schön zu sein!

Wenn eine Häßliche acht Tage lang schön sein könnte! Eine Schöne viele Tage unscheinbar! Ein Bettler vierzehn Tage lang reich! Ein Reicher hie und da bettlerisch! Um aus Gewohntem Schätze auszulösen für die Seele, muß man schon fast der Weltgeist selber sein!